Erfahrungsbericht Volontärin Carmelina

Uganda 2019

Meine Reise ins Projekt im „Aggie Babies Home“

 

Was wird mich wohl erwarten?

Und da stand ich mit meinen beiden Koffern und einem Mix aus Vorfreude und Angst vor dem Unbekannten am Flughafen in Frankfurt. Wie würde ich erkennen, wer mich am Flughafen in Uganda abholt? Worüber würden wir reden? Würden sie mich mögen? Und dann war er da – der große Moment. Und zum Glück haben sich alle meine Ängste sehr schnell in Lust aufgelöst. Betty und Mable warteten mit einem Zettel mit meinem Namen darauf am Flughafen auf mich und strahlten mich beide mit einem breiten Lächeln im Gesicht an. Ich wurde direkt in den Arm genommen und sehr herzlich begrüßt. Im Projekt angekommen war es aufgrund meiner so gelegten Flugzeit auch schon Nacht, deshalb wurde mir mein Zimmer im Guesthouse gezeigt, eine Flasche Wasser überreicht, sowie liebevoll geschnittene Ananas als keiner Ankunftssnack. In den folgenden Tagen wurde mir von Betty und den anderen Müttern im Projekt der Tagesablauf, sowie die anstehenden Aufgaben erklärt und erste Kontakte zu den Kindern hergestellt.

 

Wasuze otya, njabo!

Erste Hürde geschafft, wartete schon die nächste – Luganda. Anfangs war ich ziemlich überfordert mit dieser vollkommen anders aufgebauten Sprache, aber jeder fängt mal Klein an und so begann es mit einem morgendlichen „Wasuze otya, njabo!“ zur Begrüßung und steigerte sich von Tag zu Tag und Woche zu Woche. Am Ende meines Einsatzes war ich selbst überrascht, wie viel ich in dieser kurzen Zeit gelernt hatte!

Wie der Vokabelschatz in Luganda wuchs, so auch meine Liebe zu den Menschen dort. Ich habe wirklich wunderbare und herzliche Menschen kennengelernt (u.A. auch Kanadier, die für eine Woche ins Projekt kamen) und habe großartige Freundschaften geschlossen. Ich habe nach und nach meine Aufgabengebiete festgesteckt und viel Zeit mit den Kindern, vor allem den Kleinsten, und den Müttern im Projekt verbracht. Der Alltag dort ist ein vollkommen anderer, genauso wie die Probleme, die es dort zu überwinden gibt. Und doch finden diese Menschen immer wieder Lösungen für ihre Probleme und sind erfinderisch. Sie alle sind herzensgut und ich habe mich immer wohl- und als Teil dieser großen, besonderen Familie gefühlt. Ich habe es genossen, Teil ihres Alltags zu sein, mit ihnen zu lachen, zu reden und zu kuscheln.

Ich wurde immer umsorgt und mit einbezogen. Alle waren sehr interessiert an mir, meiner Geschichte, meinem Leben in Deutschland. Und jeder war stolz, wenn ich wieder ein Wort mehr auf Luganda gelernt hatte. Ich konnte dort ganz bei mir sein und das Leben mal von einer ganz anderen Seite sehen. Ich habe Dankbarkeit noch mehr gelernt, auch Gastfreundschaft ist mit unserer hier nicht zu vergleichen. Egal wie wenig dort jemand hat, wenn Besuch kommt, selbst wenn es fremder Besuch ist (wie ich) wird Essen angeboten und Tee aufgekocht. Es wird gelacht, geredet und zur Not auch wild gestikuliert dank Sprachbarriere. Der prägendste Moment war aber wohl als ich zu Besuch war bei dem wöchentlichen Gottesdienst der Grundschulkinder. Die Kinder organisieren und führen ihn quasi selbstständig durch, singen zusammen und tanzen. Und natürlich – sie beten. Mich hat es innerlich fast zerrissen und doch war es ein magischer, ganz besonderer Moment. Die Kinder sangen ein Lied, in dem sie darum beten, den Tag zu überstehen und beten für ein besseres Morgen. Nahezu alle Kinder sangen 5 Minuten lang die gleichen zwei kurzen Strophen, hatten die Augen fest geschlossen und ihre Arme und Hände Richtung Himmel gestreckt.

Einige der Kinder kannte ich, da sie aus dem Baby Home kamen, andere wiederum kamen aus anderen Kinderheimen hier zur Schule. Und „meine Babys“ so bei sich und so natürlich und stark zu sehen, hat mich fast zerrissen. Ich habe in diesen 5 Wochen eine unglaublich enge Bindung nicht zur zu den Müttern, sondern natürlich auch zu den Kindern aufbauen können. Ich habe sie miterzogen, gebadet, umgezogen, getröstet, gesungen, gespielt, gefüttert und sie ins Bett gebracht. Und auch wenn es manchmal wirklich sehr anstrengend war – weil die Kinder es lieben, wenn ein Volunteer da ist und am liebsten alle mit einem spielen wollen – habe ich jeden Tag dieses besonderen „Mama-seins“ genossen und bin unglaublich dankbar, Teil ihres Alltags und Lebens zu sein. Seit meinem Abschied am Flughafen in Entebbe fehlt mir meine afrikanische Familie schmerzlich und ich bin mir sicher, dass ich sie so bald wie nur möglich wieder besuchen möchte, denn ich liebe sie alle von ganzem Herzen!